Es war einmal ...

In den Armen des wilden Tataren ...

Zu jedem Buch gibt es eine Geschichte, die erzählt werden sollte. Und Geschichten beginnen mit: Es war einmal ...

an einem nasskalten Februarabend in einem Restaurant in der Münchner Innenstadt.

Oder vielleicht auch:

Es war einmal ein wilder Tatar.

Welcher Anfang der Richtige ist, weiß ich nicht. Vermutlich sind es beide zu gleichen Teilen, denn an jenem Februarabend ritt der Tatar, zum ersten Mal für mich sichtbar, verwegen durch die Steppe, die sich bildlich über die Tischplatte zwischen unseren Tellern ausbreitete. Den Blick hatte er in die Ferne gerichtet und begleitet wurde er von unserem lauten Lachen aber auch von ungläubigem Kopfschütteln. Sein Oberkörper war entblößt, sein Anblick frivol und in seinen Armen hing keuchend eine junge Frau. War das ein Buch-Held? Und wenn, dann was für einer? Ein kämpferischer? Ein strahlender? Oder gar ein erotischer?

Nur sein Name eilte von Mund zu Mund. Vladimir  ...

 

Wie das Schicksal es will, begegnete mir der Tatar in den nächsten Monaten immer wieder. Er ritt über Seminartische und zwischen den Ständen der Leipziger Buchmesse, galoppierte beim Sommerfest durch den Innenhof von Droemer Knaur und „In den Armen des wilden Tataren“ wurde zum geflügelten Wort.

Es war ein Scherz, ein Gag. Aufgebauscht und sogar mit einem Hauch Ernsthaftigkeit versehen, aber trotzdem nur ein Spaß.

Bis das Schicksal erneut zuschlug.

 

 Fast auf den Tag genau ein Jahr nach jenem ersten denkwürdigen Abend, begegnete mir der Tatar, Vladimir, wieder.

Diesmal allein.

In der dunkelsten Stunde meines Autorendaseins, als jedes Wort sinnlos schien und jeder Satz zu viel war, donnerten die Hufe seines Pferdes durch mein Wohnzimmer.

Er forderte mich heraus, seine Geschichte aufzuschreiben. Er ließ nicht locker, wollte ein würdiges Ende und nervte so lange, bis ich mich auf die Suche machte.

Was ich herausfand, überraschte mich selbst. Der verwegene Reiter war eigentlich ein Streber, die Frau in seinen Armen alles andere als hilflos. Ich suchte nach Gründen, warum die beiden durch die Steppe ritten und erlag schließlich dem Mythos Transsibirischen Eisenbahn und der endlosen Ebene Sibiriens - wo nur der Wind zuhause ist. 

Plötzlich war der wilde Tatar für mich kein alberner Gag mehr, sondern eine Buchidee, die dorthin zurück musste, wo sie einst entstanden war. In die Digitalabteilung von Droemer Knaur … zu feelings.  

 

Die Reaktionen, als ich das Exposé erwähnte, werde ich nie vergessen. Es war unbeschreiblich. Ebenso die Monate, die ich danach damit zubrachte, diese Geschichte aufzuschreiben. 

Wenn ihr mich heute fragt, ob aus Vladimir dem Tatar ein Held geworden ist, dann kann ich euch nur empfehlen: reist mit ihm und Lilli nach Kasachstan und überzeugt euch selbst. 

 

 


LAST STOP KASACHSTAN

 

 … und wenn sie sich nicht verlaufen haben, dann lieben sie noch heute.

 

 

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